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Hier eine Zusammenfassung vom Trainingslager der FC Bayern Amateure in Indien 2009 (15.01. - 23.01.) Timo Heinze schilderte in einem Tagebuch mit 5 Kapitel seine Erlebnisse 7.000km entfernt von München Freundlicherweise stellte FCB-Amateure Spieler Marco Höferth auch ein paar Bilder von den 3 Testspielen zur Verfügung die hier in je einer Diashow zu sehen sind: Sa. 17.01. East Bengal Club - FC Bayern Amateure 0-1 Stadion Barasat Mo. 19.01. East Bengal Club - FC Bayern Amateure 1-5 East Bengal Club Maidan Ground Mi. 21.01. Siliguri Mayor´s XI - FC Bayern Amateure 0-6 Kanchenjungha Stadion Siliguri Timos Tagebuch, Kapitel 1Naja, so kann man sich täuschen. Da denkt man, das Wetter kommt einem in Indien in dieser Jahreszeit entgegen. Raus aus dem Kühlschrank Deutschland mit rekordverdächtigen Minusgraden, rauf auf den indischen Subkontinent mit seinen sonnigen Temperaturen. Und dann das… Aufgrund eines Wetterumschwungs herrschte laut Aussage des Piloten nur noch eine neblige Sicht von 0 bis 50 Metern. Leider eindeutig zu wenig zum Landen. Seine „rettende“ Idee, die bei uns in der Mannschaft nicht wirklich große Begeisterungsstürme hervor rief: Kurswechsel kurz vor dem eigentlichen Ziel Kalkutta auf das etwa 2 Stunden entfernte Hyderabad, Flieger auftanken, 3 Stunden auf den Sonnenaufgang warten, wieder zurück nach Kalkutta und hoffen, dass dann die Wetterlage klarer ist. Was dann auch irgendwann mal der Fall war. Allerdings wurde dadurch aus dem ohnehin schon achteinhalbstündigen Flug von Frankfurt mal eben die doppelte Flugzeit. Die jeweiligen Busfahrten dazugerechnet waren wir bei unserer Ankunft im Hotel gegen Donnerstagmittag stolze 26 Stunden unterwegs gewesen ab der heimischen Säbener Straße. Der Start unserer Reise war also eine wirklich schwere Geburt. Doch nach ein paar Stunden Schlaf im Hotel merkt man der FCB-Delegation doch deutlich an, dass sie sehr neugierig ist. Auf das, was da noch kommen mag. Hoffentlich viele unvergessliche und sicher auch prägende Erlebnisse in dieser uns so fremden Kultur. Denn dieses Trainingslager wird sicher nicht nur dazu dienen, uns fit für die anstehenden Aufgaben in der Rückrunde zu machen. Sondern vor allem auch eine außergewöhnliche Möglichkeit sein, um uns menschlich weiterzubringen.
Nun heißt es aber in einer knappen Stunde zunächst einmal, die Müdigkeit zu verdrängen und die erste Trainingseinheit in Kalkutta zu absolvieren. Aus der vertrauten bayerischen Heimat sind uns noch die schneebedeckten und knochenharten Trainingsplätze in lebhafter Erinnerung. Da kann man schon darauf hoffen, dass wir es hier besser haben werden. Und uns das Wetter vielleicht doch noch in die Karten spielt…
Timos Tagebuch, Kapitel 2
Und plötzlich steht er da. Er ist es leibhaftig. Zwar inzwischen ein wenig ergraut und mit Brille versehen. Aber immer noch unverkennbar. Steht hier mitten auf dem Platz in Kalkutta in einem einfachen Trainingsanzug seines FC Bayern München. Winkt immerzu freundlich in die Menge, gibt ein Autogramm hier, posiert für ein Foto da. Der beste deutsche Stürmer aller Zeiten, der Mann der Rekorde, eine lebende Fußballlegende. Gerd Müller.
Er wird hier umringt von zahlreichen Einheimischen, die ihn frenetisch feiern und bedrängen wie einen Popstar. Wo immer er auftaucht, huscht den Leuten ein Lächeln über das Gesicht oder es brandet spontaner Jubel auf.
Für uns ist das Ganze ein wenig fremd. Gerade die Jüngeren unter uns schauen doch gelegentlich etwas irritiert ob dieser extremen Huldigung. Denn für uns ist er eben einfach nur der „Gerd“ oder wahlweise auch der „Bomber“. Unser Co-Trainer eben. Immer höflich, zuvorkommend und für einen kurzen Plausch zu haben. Aber auch stets bescheiden und mit beiden Beinen im Leben stehend. Ihn umgibt eher die Aura eines Mannes aus dem Volke als die einer globalen Berühmtheit.
Klar wird dem Gerd zuhause in Deutschland auch ständig große Aufmerksamkeit zuteil und er muss auch dort Autogramme wie am Fließband schreiben. Aber diese Euphorie und schier grenzenlose Begeisterung hier um seine Person ist schon bemerkenswert. Gerade in Indien, was ja eigentlich doch eher ein Fußballentwicklungsland ist. Auf jeden Fall ist es unglaublich schön zu sehen, wie sehr sich die Leute über seinen Aufenthalt hier freuen. Man könnte fast sagen, Kalkutta platzt vor Stolz.
Aber es soll jetzt nicht der Eindruck entstehen, dass wir Spieler selbst nicht auch mal im Mittelpunkt stehen würden. Heute zum Beispiel fand unser erstes von drei Testspielen statt und die Menge konzentrierte sich für 70 Minuten voll auf uns. Warum der Schiedsrichter eben nur diese kurze Spielzeit wählte und nicht die vollen 90 Minuten leiten wollte, weiß nur er. Bei uns Spielern und der gesamten FCB-Delegation herrschte darüber große Verwunderung.
Wie auch immer, das Spiel endete 1:0 für uns. Der Spielort lag am Rande von Kalkutta, unser Gegner war der indische Erstligist East Bengal. Besonders erfreulich war dabei das Comeback von Stefan Schürf nach eineinhalb-jähriger Leidenszeit. Die schwüle Witterung und die etwas holprigen Platzverhältnisse machten uns jedoch ein wenig zu schaffen. Außerdem war die indische Truppe ein nicht einfach zu spielender Gegner. Am Ende stand dann aber ein verdienter Sieg und wir konnten zufrieden die Heimreise ins Hotel antreten. Gemeinsam mit einem Mann an Bord, um den uns wohl die ganze Stadt beneidet. Timos Tagebuch, Kapitel 3
Am Sonntag stand ausnahmsweise einmal kein Fußball auf dem Programm, ganz andere Dinge rückten in den Mittelpunkt. Ein Tag voller Unternehmungen und Erlebnisse. Und daran verknüpfte Erfahrungen, die so schnell wohl keiner von uns vergessen wird.
Los ging es mit einem Besuch im Mutter-Theresa-Haus. Dort besichtigten wir das Grab der vor gut zehn Jahren verstorbenen Friedensnobelpreisträgerin, bekamen einen groben Überblick über ihr bewegtes Leben und sahen ihr spartanisch eingerichtetes Zimmer. Es herrschte eine sehr andächtige Stimmung unter uns. Selbst die Spaßvögel in unseren Reihen waren plötzlich in sich gekehrt. Zum Abschluss erhielt jeder von Schwester Nurmela, der Nachfolgerin der „Mutter der Armen“, einen kleinen Anhänger als Andenken überreicht.
In unmittelbarer Nähe des Hauses steht das dazugehörige Kinderheim. Dort finden Kinder unterschiedlichsten Alters ein Zuhause. Es tummeln sich hier hunderte Kinder, für die im normalen Leben auf den belebten und verarmten Straßen Kalkuttas kein Platz ist. Sei es, weil sie verwaist sind, sei es, weil sie aufgrund einer Krankheit oder Behinderung nicht ausreichend von ihren Eltern versorgt werden können. Die Kleinen werden dann hier aufgepäppelt und ihnen wird ein humaneres Leben ermöglicht. Viele von ihnen werden sogar zur Adoption freigegeben.
Es war für uns alle sehr imponierend zu sehen, wie sich die Schwestern unter Mithilfe zahlreicher Freiwilliger unentgeltlich dieser Aufgabe verschreiben. Man merkte ihnen an, dass sie dort ihre ganz persönliche Bestimmung im Leben gefunden haben - und das verdient ganz sicher höchste Anerkennung. Nach dem Besuch bei Mutter Theresa ging es zu einer Schiffstour auf den Hugli River, einem Mündungsarm des Ganges. Auch hier brannten sich zahlreiche ungewöhnliche Bilder in unseren Kopf. Unglaublich, wie sich am Ufer des Flusses die Leute völlig unbeeindruckt ihrer „Geschäfte“ entledigen, sich im flachen Wasser waschen und aus ihrer Not heraus gar die Zähne putzen. Und das, wo das Wasser so dreckig ist, dass unsereins nicht einmal einen Fuß hineinhalten würde. Da treibt einem schon mal ein kaputtes Fahrrad entgegen oder es tauchen tote Tiere an der Oberfläche auf. Und zwar die ganze Bandbreite: Von kleineren Katzen, über Hunde, bis hin zu Schweinen und sogar einer ganzen Kuh ist alles vertreten. Da relativiert sich dann die ständige Diskussion in der Heimat über die Wasserqualität der Isar…
Kaum aus dem Schiff ausgestiegen, ging es mit dem Bus zum Hauptquartier der Polizei Kalkuttas. Dort fand ein Fußballturnier der örtlichen Schulen statt und wir waren sozusagen als VIPs eingeladen. Wobei sich natürlich auch heute so gut wie alles auf den Gerd, unseren indischen Halbgott in Turnschuhen, konzentrierte.
Zum krönenden Abschluss dieses bewegten Tages besuchten wir einen Ort, der für uns alle wohl zu den Favoriten unserer Reise gehören dürfte: das Kinderheim der Aktion Lebenshilfe für Indiens Straßenkinder. In diesem Gebäude, das von einem Deutschen gegründet wurde und noch immer geleitet wird, erhalten Straßenkinder die Möglichkeit, sich eine völlig neue Existenz aufzubauen. Es gibt einen geregelten Tagesablauf, ordentliches Essen, sportliche Betätigung in Form von Fußball und dazu eine vernünftige schulische Ausbildung. Weit mehr, als sich die meisten Kinder Kalkuttas überhaupt erträumen können. Eine wirklich beeindruckende Institution. Ich für meinen Teil war vor drei Jahren ebenfalls mit dem FC Bayern schon einmal vor Ort und habe jetzt die zahlreichen Kinder wiedersehen dürfen. Die Freude der Kleinen war grenzenlos und sie haben mich, zu meinem großen Erstaunen, alle wieder erkannt.
Das Haus hat sich in dieser Zeit auch deutlich weiterentwickelt. Es sieht moderner und freundlicher aus. Vor allem aber wirkt es wie eine Hommage an den Fußball, insbesondere an den FC Bayern. Wohin man auch sieht, überall Poster oder selbst gemalte Zeichnungen von Fußballern, vor allem von Bayern-Spielern. Da der Verein die Kids in den letzten Jahren ausreichend mit Fan-Utensilien versorgt hat, dürfte dies der wohl größte Bayern-Fanklub in ganz Indien sein.
Für alle von uns war es ein unbeschreiblich erfüllendes Gefühl, diesen Kindern mit unserem Besuch einen grenzenlosen Spaß zu bieten. Da wurde gelacht, mit dem Ball gespielt, sich umarmt und fotografiert auf Teufel komm raus. Die Kleinen waren in ihrer überschwänglichen Freude überhaupt nicht mehr zu bremsen und eigentlich wollte von uns auch gar keiner mehr weg.
Bevor wir dann doch den Weg ins Hotel antraten, lieferten wir noch eine Geldspende für das Heim ab. Zuvor hatten die Trainer, die Delegation und die gesamte Mannschaft spontan zusammengelegt. Der einhellige Tenor nach dieser Begegnung war: Gut, dass wir da waren. Und so kitschig es klingen mag: Es wird wohl niemand so schnell die strahlenden Kinderaugen des heutigen Abends vergessen. Timos Tagebuch, Kapitel 4
Auf vielfachen Wunsch meiner Mannschaftskollegen soll hier ein Thema genannt werden, das uns sehr am Herzen liegt: Busfahren in Kalkutta. Klingt unspektakulär, ist es aber ganz und gar nicht.
Wer schon mal beispielsweise im südeuropäischen Ausland Auto gefahren ist, hat sicher die Erfahrung gemacht, dass es dort verkehrstechnisch nicht ganz so gesittet zugeht wie in Deutschland. Ich sage Ihnen: Vergessen Sie es! Denn was hier auf den Straßen abgeht, das ist noch mal eine ganz andere Hausnummer. Die einzig gültige Regel ist, dass es keine gibt. Da wird im Dunkeln ohne Licht gefahren, die wenigen Ampeln zumeist dezent ignoriert und Verkehrsschilder oder Straßenmarkierungen finden sich so gut wie gar keine. Kurz gesagt, es herrscht ein reges Chaos auf den Straßen dieser Metropole, die aus allen Nähten zu platzen scheint. Es tummeln sich dort sowohl Autos und viele Busse als auch Fahrräder und zahlreiche Fußgänger. Und das völlig unkoordiniert und durcheinander auf der Fahrbahn verteilt.
Da wird einem wirklich Angst und Bange, wenn der Fahrer mal wieder zum Überholmanöver ausschert, dem Gegenverkehr mit Vollgas entgegenbraust, um dann eine gefühlte Zehntelsekunde vor dem scheinbar unvermeidlichen Aufprall das Steuer doch noch herumreißt. Aber der Inder sieht das nicht so eng. Im wahrsten Sinne des Wortes. Im scheint es nur dann Spaß zu machen, wenn der Abstand zum passierten Nebenmann möglichst knapp ist.
Sogar unserem Trainer, ein bekanntlich hartgesottener Typ, wurde es irgendwann zu bunt. Er verließ seinen angestammten Platz im Bus während der Fahrt mit den Worten: „Das kann ich nicht mit anschauen, der ist doch nicht ganz dicht!“ Und setzte sich weiter hinter, wo er das Schauspiel besser ertragen konnte.
Überhaupt ging alle paar Sekunden ein lautes Raunen durch unseren Bus, begleitet von ungläubigem Kopfschütteln und vereinzelten panischen Lachern. Die Stimmung war wie bei einer Achterbahnfahrt auf der Wiesn. Das ein oder andere Mal hörte man nur noch einen der Spieler vor sich hin sagen: „Jetzt ist alles aus.“ Aber es passierte nichts. Und das ist das eigentlich Erstaunliche an der Sache. Niemand ist zu Schaden gekommen, was keiner während der Fahrt für möglich hielt. Generell war kein einziger Unfall zu sehen, anscheinend funktioniert dieses wirre „Verkehrssystem“ auch noch. Allerdings fuhr vor uns auch immer eine kleine Polizeieskorte, da wir hier in Indien als Staatsgäste oberster Priorität gelten. Wer weiß, was sonst alles passiert wäre, wenn uns unser Freund und Helfer nicht den einen oder anderen Wagen vom Hals gehalten hätte…
Der Inder spielt sehr gerne Fußball. Noch lieber allerdings Cricket, das läuft eigentlich den ganzen Tag im Fernsehen. Sein Volkssport Nummer eins ist aber unangefochten das Hupen. Er hupt selbstverständlich, wenn er Gefahr kommen sieht. Er hupt aber auch, wenn er jemanden grüßen will. Genau so hupt er, wenn er abbiegen will, denn einen Blinker hat er nicht. Und will er etwas stärker bremsen, hupt er natürlich auch. Ich bin zu der festen Überzeugung gekommen, dass er sogar hupt, weil ihm langweilig ist. Jedenfalls macht das hier jeder. Und so kommt man sich stets vor, als hätte Deutschland soeben ein WM-Halbfinale gewonnen und man befände sich inmitten eines Autokorsos auf der Münchner Leopoldstraße.
Ach ja, Fußball gespielt wurde auch noch. Am Montag ging es erneut gegen East Bengal, sozusagen zum „Rückspiel“. In einem munteren Kick auf sehr anständigem Niveau gewannen wir mit 5:1 im Stadion des Gegners. Die Euphorie, die uns danach entgegenschlug, kannte keine Grenzen. Wir wurden gefeiert und lautstark beklatscht. Die Sicherheitsleute hatten größte Mühe, uns die jubelnden Zuschauer vom Leib zu halten. Das Stadion selbst war allerdings bei Weitem nicht ausverkauft. Das Spiel wurde aber live im TV übertragen und von sage und schreibe 30 (!) Millionen Indern verfolgt. Und heil angekommen im Hotel sind wir zum Glück dann auch noch. Timos Tagebuch, Kapitel 5
So langsam neigt sich unsere Reise dem Ende entgegen. Wir haben die hektische Millionenmetropole Kalkutta hinter uns gelassen. Dort sind all die unzähligen Menschen schon gar nicht mehr offiziell erfasst, man geht aber von einer gigantischen Bevölkerungszahl von mehr als 20 Millionen aus. Seit gestern befinden wir uns in Siliguri. Und auch wenn hier auf den Straßen ebenfalls sehr reges Treiben herrscht, so ist das Leben doch um einiges übersichtlicher. Kein Wunder, ist die Stadt mit ihren etwa 550.000 Einwohnern doch bedeutend kleiner.
Auch das Klima hat sich für uns geändert, es ist ein paar Grad kühler und nicht mehr ganz so schwül. Besonders beim Sport treiben also wesentlich angenehmer. Siliguri liegt nur wenige Kilometer vom Himalaya entfernt. Aber leider gerade so weit, dass wir von den mächtigen Gebirgsketten nichts erkennen können. Selbst zum Mount Everest wären es nur gute 200 Kilometer mit dem Auto. Aber wir sind ja auch nicht zum Bergsteigen hier, sondern zum Fußball spielen.
So fand gestern unser letztes Testspiel in Indien statt. Gegen den ortsansässigen Verein mit dem klangvollen Namen Lord Mayers XI gab es für uns einen deutlichen 6:0-Sieg zu feiern. Vor einer imposanten Kulisse mit rund 25.000 begeisterten Zuschauern hätte das Ergebnis aufgrund zahlreicher Großchancen auch um einiges höher ausfallen können, wenn nicht sogar müssen. Der Kontrahent war zwar sehr bemüht, aber fußballerisch doch recht limitiert.
Heute stand dann noch ein letzter Ausflug an. Wir waren auf eine Teeplantage eingeladen. Der freundliche Besitzer dieses Privatunternehmens empfing uns zu einem kleinen Snack und wir erhielten einen kleinen Umriss von der sehr arbeitsintensiven Teeproduktion. Sozusagen wie aus den einzelnen handgepflückten Blättern letztendlich der genießbare Tee wird. Da im Januar aufgrund der Witterung die Produktion brach liegt, beschränkte sich das Ganze auf einen kurzen Vortrag ohne praktische Veranschaulichung. Aber auch so war das schon eine sehr interessante Geschichte, allein wenn man sich mal die Dimension dieses Unternehmens vor Augen führt. Jährlich werden alleine dort 2.000 Tonnen Tee produziert! Bei dem besagten Mann stehen über 5.000 Leute in Lohn und Brot, was zusammen mit den weiteren Familienangehörigen der Arbeiter eine richtige Kleinstadt ergibt, die sich dort gebildet hat.
Im Laufe des heutigen Tages fliegen wir nach Delhi, wo wir noch eine Nacht im Hotel verbringen werden, bevor es dann morgen früh von dort Richtung Heimat geht. Und so langsam freut sich natürlich auch jeder der Jungs auf Zuhause, die Liebsten daheim und die vertraute Umgebung. Die Reise an sich war aber sicherlich ein voller Erfolg. Vor allem weil wir zwar auch fleißig trainiert und gespielt haben, aber insbesondere einiges von diesem spannenden Land sehen durften. So wird jeder morgen seine ganz persönlichen und unvergesslichen Erfahrungen mit an Bord nehmen.
Und zwar nicht nur, dass der Inder jedes Essen für mild hält, das uns fast die Zunge wegbrennt. Betrachtet man nämlich die unzähligen Menschen am Straßenrand mit ihren zerlumpten Klamotten, ihren heruntergekommenen Wohnräumen und dem wenigen Hab und Gut, so wird eines klar: Diesen Menschen wird es wahrscheinlich von Haus aus nicht vergönnt sein, jemals dieser Umgebung mit all der Armut zu entkommen. Dennoch sieht man viele von ihnen zufrieden und lächelnd durch die Gegend spazieren.
So gesehen könnten wir uns von ihnen eine Scheibe abschneiden und nicht immer nur hadern und uns über Kleinigkeiten beschweren. Wir sollten uns vielmehr einfach wahnsinnig glücklich schätzen, in ein Umfeld hineingeboren zu sein, in dem wir die Möglichkeit haben, frei über unser Leben zu entscheiden und unseren gesteckten Zielen und Träumen nachzueifern. Nicht jeder auf der Welt kann das von sich behaupten, das ist uns allen hier klar geworden.
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